02 November 2011

Leidenschaft für Menschen und Farbe

Zu Besuch bei Franco Costa – Porträt eines facettenreicher Künstlers

Mönkeberg - Von Rom aus hat der Italiener Franco Costa mit seiner Kunst die Kontinente erobert und eine weltumspannende Anhängerschar gefunden. Er war zu Gast in Königshäusern, bei Staatspersonen, Wirtschaftsgrößen und bekannten Kunstsammlern. Eines seiner Bilder gemahnt an den Holocaust als schlimmstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Es hängt heute im Schlafgemach des Papstes im Vatikan. Nach Kiel hat ihn vor mehr als 20 Jahren der Segelsport gelockt: 1989 schuf er sein erstes Poster für das „Baltic Match Race“. Fünf Jahre später malte er sein erstes Kiel-Bild. Als ich Franco Costa in seiner Mönkeberger Wohnung besuche, enthüllt mir der Künstler viele weitere Facetten seines Lebens.

Get the flash player here: http://www.adobe.com/flashplayer

Wer dem kleinen Mann Franco Costa gegenübertritt, spürt gleich sein Charisma und die ihm entströmende Energie. Sein Lächeln und seine Augen sind Spiegel von Lebensfreude und Güte. Zum Willkommen breitet er die Arme aus und weist dem Besucher einen Stuhl an in der kleinen, mit all den Dingen vollgestopften Küche, die ein Franco Costa für seine tägliche Arbeit braucht. Es riecht nach italienischem Essen und frisch gebrühtem Kaffee. Auf dem Tisch teilen sich Stapel von Papieren, ein kleiner, blau aus dem Bildschirm leuchtender Computer und das Telefon den wenigen Platz. Dazwischen steht ein großer, knallroter Wecker. Costa hat die Zeit beständig im Blick, denn er ist, wie immer, sehr beschäftigt.

Kürzlich erst ist er von einer Reise nach Schweden zurückgekehrt, nun will er weiter nach Italien, in sein römisches Atelier. „Meine jüngste Tochter erwartet mich“, sagt er warm. „Sie ist allein in Rom, sie braucht mich.“ Doch er will dort auch neue Farben mischen und malen. Zwischendurch nämlich war er auf Norderney. Die Nordseeinsel hat ihn geradezu berauscht. Nun will er eine Serie über die norddeutsche Westküste malen. Als Franco Costa davon erzählt, wird seine Energie greifbar in der kleinen Küche: „Du wanderst an das Ende dieser Insel, das Wasser kommt, das Wasser geht, du siehst über das Watt - es ist ein Traum, einfach fantastisch“.

„Arte Vita“ in Norddeutschland

Bekanntgeworden ist Franco Costa hierzulande vor gut 20 Jahren vor allem mit seinen Bildern für weltbekannte Segelregatten, für die Kieler Woche und von schleswig-holsteinischen Landschaften in seinem typischen, von einer sehr klaren Bildsprache geprägten Malstil. Einfache, überall verstandene Formen im Rhythmus mit grafischer Linienführung, raumgreifende Kompositionen und brillante, kräftige Farben geben seinen Werken ihre plakative Wirkung. Costa reduziert so die Dinge auf ihre wesentlichen Bestandteile, ordnet die Welt in Formen und Farben. „Arte Vita“ nennt er seinen Stil - die „Kunst des Lebens“. In der Tat sind seine Bilder Ausdruck überschäumender Lebensfreude, seines Optimismus und kreativer Schaffenskraft. Inspiration zu Neuem gaben Franco Costa stets viele Reisen. Wohl deshalb sagt er über seine Werke, sie zeigten „die brüderliche Verbundenheit aller Menschen“.

Malerei nur eine Facette des Künstlers

Angenommen, das gesamte Werk des Franco Costa sei ein Eisberg, so ist die Malerei nur dessen aus dem Wasser ragende Spitze. Franco Costa ist auch Musiker, studierter Architekt, Freidenker, Modeschöpfer: Als Kind ermöglichte ihm seine Mutter eine musikalische Ausbildung; als junger Mann entwarf er mit seinem Onkel Lúcio Costa in Brasilien die künftige Hauptstadt des südamerikanischen Landes; Franco Costa begegnete in Argentinien Ernesto „Che“ Guevara, traf in der französischen Provence die Maler Henri Matisse, Pablo Picasso und den Russen Nicolas de Staël, der großen Einfluss auf ihn ausübte; Franco Costa hat für die französische und italienische Haute Couture gezeichnet und als Kostümdesigner für Filmregisseure wie Frederico Fellini, John Huston und Stanley Kubrick gearbeitet. Neben seinen Acryl- und Ölbildern entstehen unter Costas Händen außerdem Skulpturen, Wandteppiche und Glasmalereien. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Seine vielleicht beeindruckendste Eigenschaft ist Franco Costas aufrechtes und mitfühlendes Wesen. Seit den 1970er-Jahren setzt er sich für die Belange von Kindern und Schwachen dieser Welt gemeinsam mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF, der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, Greenpeace und anderen Partnern ein. Wenn Franco Costa über Kinder spricht, ist seine Leidenschaft für dieses Thema spürbar. Er hebt die Hände, legt die Spitzen der Zeigefinger an die Daumen und sagt leise, aber nachdrücklich: „Die Kinder dieser Welt sind unsere Gegenwart und unsere Zukunft.“ Diese Zugewandtheit ist eine Kraft, die Franco Costa als Mensch und als Künstler noch mit 77 Jahren antreibt. Kinder seien unvoreingenommen und frei von religiösen, politischen und kulturellen Schranken, meint Franco Costa. Und: „Ich glaube weniger an Organisationen als an die Menschen selbst.“

Costas Herz schlägt für die Kinder dieser Welt

1997 startete er eine seiner Malaktionen, bei denen Kinder aus reichen Teilen der Welt ihre selbstgemalten Bilder zugunsten von armen Kindern verkaufen, im Schönberger Probstei Museum. Der Erlös war seinerzeit bestimmt für den Aufbau tansanischer Schulen. „Dieses soziale und humanitäre Engagement zieht sich wie ein roter Faden durch Francos Leben“, sagt seine Frau Joshoua über den Künstler. Ein weiteres Beispiel dafür ist seine Unterstützung der Opfer des Tsunamis, der im Jahr 2004 die Küstenregionen am Golf von Bengalen, der Andamanensee und Südasiens verwüstete.

Immer noch treiben ihn neue Projektideen weiter auf seinem Weg. Wohin? Jedenfalls zu den Menschen. In der Vergangenheit hat er seine Kunst auch genutzt, um gegen Drogen Front zu machen, künftig wird er sich vielleicht sogar mit der Mafia in Italien kritisch auseinandersetzen. Das ist gefährlich. „Dort sollte das nicht in einer Zeitung stehen“, sagt Costa deshalb, nunmehr ernst. „Aber in Deutschland ist das in Ordnung.“ Dann zeigt er wieder sein entwaffnendes Lächeln und sagt: „It's the new way of Franco Costa“ - sein „neuer Weg“.

Franco Costa stand selbst nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens. Fehlkalkulationen bei der Einschätzung des Erfolgs seiner Werke, der Brand einer schwedischen Galerie, bei der viele Originale unwiederbringlich zerstört wurden und nicht zuletzt zwei gescheiterte Ehen (Costa: „Sehr teuer, dazu rate ich niemandem“) brachten ihn an den Rand wirtschaftlicher Existenz. Auftragsarbeiten zu der bedeutenden Segelregatta „America's Cup“ brachten ihm wieder Geld und neue Handlungsspielräume. Noch heute reist Costa zwischen Rom, Kiel, Schweden und anderen Zielen herum, immer auf der Suche nach Inspiration und stets arbeitend. „Wenn ich eine Möglichkeit sehe, etwas Neues zu tun, fange ich sofort damit an“, gibt er eines seiner Erfolgsrezepte zu Protokoll.

„Äußerlich ist Norddeutschland kalt, aber seine Menschen sind warm.“

Doch was hält einen Römer aus dem sonnigen Italien für lange Zeit des Jahres im kalten, grauen, nassen und windigen Norddeutschland? Franco Costa lächelt einnehmend und hintergründig. „Deutschland ist der wärmste Ort der Welt“, sagt er. Und dann, nach kurzem Sinnieren: „Äußerlich ist es zwar kalt, aber die Menschen hier sind innen ganz warm.“

Noch bis zum 26. November sind Franco Costas jüngste Werke in „Leibers Gallerie“ in Dersau (Redderberg 18) zu sehen. Mehr Informationen auf Franco Costas Website unter www.franco-costa.de.