08 Juli 2011

Piano, piano in ungewisse Zukunft

21. JazzBaltica ist am 3. Juli in Salzau zu Ende gegangen

Salzau - Das international bekannte und renommierte Festival JazzBaltica hat am vergangenen Wochenende unter dem Motto „piano, piano – remembering Esbjörn“ rund 6.000 Gäste nach Salzau in das ehemalige Landeskulturzentrum gelockt. Noch einmal ist es den Festivalmachern rund um den künstlerischen Leiter Rainer Haarmann gelungen, ein vielseitiges Programm mit Weltstars und vielversprechenden Neulingen der Jazzszene auf die Beine zu stellen – allen Sparzwängen wegen gestrichener Landeszuschüsse zum Trotz.


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„Wir haben lange darum kämpfen müssen, aber heute sind wir hier“, rief ein sichtlich über diesen Umstand erfreuter Rainer Haarmann am Freitagabend zu Beginn des ersten Konzertblocks dem Publikum in der Konzertscheune zu. Erst zum Jahreswechsel habe es festgestanden, dass JazzBaltica noch einmal in Salzau eine Heimat haben werde. „Ich sage nicht, aus welcher Richtung sie gekommen sind“, fügte Haarmann vieldeutig hinzu, „aber es hat immer wieder Knieschüsse für uns gegeben.“

Vor allem der Solidarität der Musiker, dem Engagement des Rundfunks und der Sponsoren sei das Fortleben des Festivals zu verdanken, betonte Haarmann. Aber: „Das ist kein Modell für die Zukunft; Politiker, missversteht das nicht!“, mahnte er und gab seiner Hoffnung Ausdruck, JazzBaltica möge in Zukunft auf eigenen Beinen stehen und ein Zuhause gerade für junge Musiker bleiben.

Zwar fiel die kleine Probenscheune als Spielort den Sparzwängen zum Opfer. Die deshalb kleinere Zahl der Konzerte war aber keinesfalls gleichbedeutend mit weniger Vielseitigkeit oder fehlender musikalischer Spannung. Im Gegenteil ließen etliche Projekte und Bands unterschiedlichster musikalischer Ausrichtung kaum Wünsche offen, wobei zwei Ereignisse wohl besonders bleibenden Eindruck beim Salzauer Publikum hinterlassen haben dürften: die DanceNight mit Trombone Shorty & Orleans Avenue, die sich am Freitagabend wie ein Raubtier auf das tanzwillige Publikum stürzten, und das Tribute-Konzert am Sonnabend, mit dem musikalische Weggefährten dem vor wenigen Jahren verstorbenen schwedischen Jazzpianisten Esbjörn Svensson die Ehre erwiesen. Darunter waren auch die ehemaligen Partner Svenssons in dessen Trio „e.s.t.“ Dan Berglund und Magnus Öström, die nach Svenssons Tod nun erstmals in Salzau wieder gemeinsam auf der Bühne standen.

Die alten Meister und langjährigen Stammgäste des Festivals, wie etwa der mittlerweile hoch in den Siebzigern stehende Pianist Don Friedman oder „Mr. JazzBaltica“ Nils Landgren, geben dem Festival wohl eine verlässliche Größe und den Kuschelfaktor des Familiären. Aber genauso ist das Festival traditionell ein Ort, an dem junge und innovative Musiker ihre Musik und Auffassung von Jazz vertreten dürfen. Gefördert wird das mit dem von der Investitionsbank Schleswig-Holstein gestifteten Preis, der in diesem Jahr an die junge Pianistin und Sängerin Clara Haberkamp mit ihrem Trio ging.

Zu Beginn der letzten Konzertblöcke am Sonntag habe ihn Wehmut überfallen, räumte Haarmann vor den gefüllten Publikumsrängen in der Konzertscheune ein. „JazzBaltica ist erwachsen geworden“, sagte er und wünschte sich eine gesicherte Zukunft für das Festival. Die allerdings ist ungewiss, Konkretes darüber war nicht zu vernehmen.

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