24 Juni 2011

Auf zu neuen Ufern

SHMF: Orchesterakademie findet in der Büdelsdorfer Thormannhalle neue Wirkungsstätte

Rendsburg/Büdelsdorf - Es war für das Schleswig-Holstein Musik Festival ein Tag mit großer Symbolhaftigkeit: Mit dem Traditionssegler „J.R. Tolkien“ fuhr am Sonnabend (18. Juni) eine Vorausabteilung der Orchesterakademie über die Obereider und legte am Ahlmannkai vor dem Gelände des „Kunstwerks Carlshütte“ in Rendsburg-Büdelsdorf an, um die frisch ausgebaute ACO Thormannhalle als Proben- und Spielort in Besitz zu nehmen.

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„Auf zu neuen Ufern“, spricht es aus dieser bildgewaltigen Szenerie. Nach 24 Jahren in Salzau haben die jungen Musiker der internationalen Orchesterakademie nun in Rendsburg-Büdelsdorf ihre neue Heimat gefunden. Die öffentlichen Proben finden nicht mehr in der Salzauer Konzertscheune, sondern in der umgebauten ACO Thormannhalle auf dem Gelände des „Kunstwerks Carlshütte“ statt. Die ACO-Gruppe, das ist ein Rendsburger Unternehmen, das sich weltweit mit Entwässerungslösungen im Tiefbau, im Hochbau und in der Gebäudetechnik befasst. Ihr geschäftsführender Gesellschafter ist Hans-Julius Ahlmann.

Und der hat was übrig für die Orchesterakademie. In nur wenigen Monaten hat er das 120 Jahre zählende, abgewirtschaftete Holzlagerhaus unter der Federführung des Architekten Helmut Hansen zu einer beeindruckenden Konzerthalle umgestalten lassen. „Alt und krank“ sei die Halle noch vor einem Jahr gewesen, sagt Hansen. Nun sei sie „eine ganz, ganz große Nummer“, meint der Architekt noch, bevor er einem sichtlich glücklichen Hans-Julius Ahlmann den Schlüssel übergibt – wiederum ein Akt von großer Symbolkraft, denn dieser Schlüssel ist ein Stück Thormannhalle, gefertigt in Form eines Notenschlüssels aus einem 200 Jahre alten Balken.

Viel Geld, Arbeit und Mühe habe die Thormannhalle gekostet, räumt Ahlmann ein. Mehr als anfangs gedacht, aber den Vergleich mit der Hamburger Elbphilharmonie zieht er dann doch nur im Scherz. „Ein großer Tag“ nach einem „schweren Jahr für das SHMF“ ist es für Rolf Beck. Noch immer beklagt der SHMF-Intendant die Entscheidung des Landes, das Landeskulturzentrum Salzau „ohne Blick auf die möglichen Folgen“ zu schließen – aus seiner Sicht eine Politik „ohne Visionen“ für das Musikland Schleswig-Holstein.

Aber eigentlich möchte Beck heute lieber Musik machen. Wie hört sich die Thormannhalle wohl an? Sie sieht ja gut aus mit ihrer bis unters Dach offenen, ein wenig an die Salzauer Konzertscheune erinnernden Dachkonstruktion, mit ihrer ausgefeilten, indirekten und per Streiflicht die Wand- und Holzstrukturen herausarbeitenden, warmfarbigen Beleuchtung, den großzügigen Seitenschiffen und der den Musikern vorbehaltenen offenen Empore. Die ersten Probenklänge endlich aus Haydns „Schöpfung“ überzeugen von der Akustik der Halle, daran kann auch die nahe an ihr vorbeiführende Bundesstraße nichts ändern - Verkehrslärm ist in den Rängen nicht zu hören. Ein Ort zum Wohlfühlen und Genießen ist die Thormannhalle geworden, rundum angenehm. Und wohl fühlt sich nun augenscheinlich auch Rolf Beck bei der Probenarbeit mit der Akademie.