Anka Zink sprach im „Lutterbeker“ über digitales Leben
Lutterbek – Wer glaubt, iPhones, schlau daherquatschende Navigationsgeräte, selbstständig einparkende Autos, smarte Computer und andere technische Accessoires neuester Machart machten ihre Besitzer souverän, überlegen, weltmännisch und, ja, sexy, den belehrte Anka Zink im „Lutterbeker“ eines Besseren. „Sexy ist was anderes“, meint sie nämlich und klärte ihr Publikum auf über Fluch und Segen der modernen Kommunikationsgesellschaft.
Get the flash player here: http://www.adobe.com/flashplayer
Anka Zink ist Rheinländerin. Geboren in Bonn. An einem Karnevalssonntag. Menschen aus dieser Weltgegend genießen den Ruf, sie hätten die Frohnatur mit in die Wiege gelegt bekommen. Das ist bestimmt auch Anka Zink passiert, denn so selbstverständlich und entspannt könnte sie sonst ihr Publikum wohl kaum in einem Maße zum Lachen reizen, dass vielen schier die Puste ausgeht. Anka Zink ist dabei die nette Plaudertasche von nebenan, die beim Tratsch in irgendeinem Treppenhaus kaum echter wirken könnte als auf der Bühne.
Und dann ist da noch Anka Zinks Lachen. Jede Faser ihres Gesichts scheint nur für dieses entwaffnende, von Ohr zu Ohr reichende Lächeln geschaffen zu sein. Selbst der missgestimmteste Gast ihrer Show muss beim Anblick dieses Lächeln mitlachen. „Witz auf Augenhöhe des Alltagslebens“ nennt Anka Zink diese Medizin. Tatsächlich nährt sich ihr Humor weithin aus genauer Beobachtung des eigenen Alltags und dem der anderen. Die Dinge, die sie in diesen Abgründen auftut und auf Zink'sche Art aufspießt, sind derart normal, dass sie wohl jeder schon erlebt hat. Das Publikum lacht also in erster Linie über sich selbst, ohne, Anka sei Dank, peinlich berührt zu sein.
Zwei Stunden lang schwadronierte Anka Zink von Menschen und deren kompliziertem Beziehungsgeflecht zu technischen Geräten. Die damit einhergehende Beschleunigung des Lebens war ihr Thema. Was früher Familie hieß, buchstabiert sich inzwischen längst „Community“, weiß Anka Zink. Statt zum Klatsch im Treppenhaus treffen sich die Menschen lieber im Internet-Chatroom. Für Mitmenschlichkeit bleibt wenig Zeit, denn die verschlingen die elektronischen Geräte.
Sie selbst habe schon lange gebraucht zu verstehen, dass mit dem Fax nicht das Papier selbst, sondern, gleichsam getrennt vom Datenträger, nur die darauf notierte Nachricht verschickt wird. Und nun macht auch noch der reduzierte Piep-Code, mit dem nicht nur verschiedene Haushaltsgeräte, sondern gar das Auto mit ihr kommuniziere, ihr das Leben schwer. Ihr nächtlicher Weg vom Bett in die Küche sei bunt beleuchtet wie eine Landebahn von all den Lämpchen der elektronischen Geräte, mit ihren Facebook-Freunden könne sie noch nicht einmal ein Bier trinken, wenn sich der Computer wieder einmal aufgehängt hat - und diese Geräte sollen ihren Besitzern ein Gefühl der Souveränität und Überlegenheit geben? Das soll sexy sein? „Nein!“, ist Anka Zinks entschiedene Antwort, „diese Dinger schwingen sich auf zum Herrn über ihre Besitzer und machen sie zu Elektrosklaven.“
Zeit also zur Entschleunigung. „Es ist ihr Privileg, nur die schönsten Momente in Erinnerung zu behalten“, meinte Anka Zink am Schluss des Abends zu ihrem Publikum. Das sei eben der entscheidende Unterschied zwischen Hirn und Festplatte: Das Hirn darf sortieren und vergessen – und den Abend noch einmal Revue passieren lassen.
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen