„Freund oder Feind?“ Hamburger Künstlertrio stellt in der „Galerie im Lutterbeker“ aus
Lutterbek - Sie sind um die dreißig, seit ihrer gemeinsamen Zeit an der Hochschule für bildende Künste Hamburg dicke Freunde und sie verbindet eine trotzige Weltanschauung: Rayka Kobiella alias Rayka K, Marcius Tan und Jonas Gerberding alias LIES thematisieren mittels ihrer Kunst menschliche Sehnsüchte und die Angst vor der Welt. Mit ihrer dritten gemeinsamen Ausstellung „Freund oder Feind?“, die sie in der „Galerie im Lutterbeker“ zeigen, provozieren sie Nachdenken darüber, ob die Welt so sein muss, wie sie ist.








So viele weltanschauliche Gemeinsamkeit die drei auch haben mögen – und es sind viele -, so verschieden sind ihre künstlerischen Sprachen. Dennoch arbeiten sie zusammen, unterstützen sich, tauschen sich aus und diskutieren ihre Ideen. „Wir haben die gleiche Denke, aber andersartige Ansätze und Perspektiven, das schafft Spannung“, freut sich Marcius Tan über diese Gruppendynamik. Dennoch ergibt „Freund oder Feind?“ ein harmonisches Ganzes mit einem verbindenden Roten Faden. Marcius Tan: „Die Geschichte eines Künstlers in der einen Ecke, eine andere dort, das gibt es bei uns nicht; wir füllen einen Raum mit nur einer Geschichte.“
Tans Fotografien für „Freund oder Feind?“ hat er sämtlich inszeniert. „Ich entfremde die Dinge der Wirklichkeit und bewege mich auf der Grenzlinie zwischen Realität und Fantasie“, sagt er über sein Werk. Auf irritierende Weise lässt er so Wirklichkeit und Unwirklichkeit ineinander verschwimmen. LIES ist gleichzeitig Motto und Künstlername des Jonas Gerberding: Das Kürzel steht für „Life is extremely strange“, was etwa mit „Das Leben ist höchst sonderbar“ zu übersetzen ist. Er bearbeitet seine Bildträger mit Acryllack aus Sprühdosen. Bevorzugt sind das ausrangierte Skateboards, aber auch Leinwand und auf dem Flohmarkt aufgegabelte Gemälde in barocken Rahmen, die einst über Plüschsofas gehangen haben mögen. Sein Protagonist ist „Spaceboy“, eine Astronautenfigur, die in vielen seiner Bilder auftaucht. Ein unbeteiligter Beobachter, der ebenso erstaunt wie neugierig und verängstigt auf eine Welt schaut, zu der er nicht gehört, aber vielleicht gehören möchte. Dafür spricht der korrekte Anzug, den das außerirdisch anmutende Männchen wie eine Uniform trägt. LIES arbeitet auch drastischer. Rot wie Blut lässt er es regnen auf eine seelenlos-schwarze urbane Industrielandschaft, aus der sich tot wirkende Kräne gen Himmel recken – eine angsteinflößende Welt. Rayka K schließlich hat eine menschliche Figur aus Papier erschaffen. Schicht um Schicht hat gleichsam das Leben sie wachsen lassen. Auf der Suche nach sich selbst und dem menschlichen Kern ist es unumgänglich, Schicht um Schicht wieder abzutragen.
„Es ist packend, wenn unser Publikum ganz andere Aspekte in unserer Kunst sieht, als wir selbst“, sagt Marcius Tan. Denn der Künstler lebe und denke schließlich in seiner eigenen Welt. Den Draht zur anderen Seite hält das Trio, indem es den Ausstellungsbesuchern Spielraum lässt, das Gesehene zu interpretieren und weiterzudenken. Viele Menschen könnten etwas mit den Ideen der drei anfangen, meint Rayka K. Sie sind eher Freund als Feind.
Die Ausstellung „Freund oder Feind?“ mit Malerei, Fotografie und einer Installation ist noch bis zum 4. April in der „Galerie im Lutterbeker“ zu sehen.
Informationen per Internet unter
www.lutterbeker.de,
www.attacke.de.to,
www.liesoa.de.to und
www.raykak.de.to.